05 Bernd und ich lernen uns an der Mosel kennen

Definition „unclever“

Unclever ist Marcus, wenn er mit der fensterlosen Seite seines Wohnmobiles in Richtung der tollsten Aussichten an der Mosel auf dem Campingplatz parken will

Bernd und ich fuhren nach Kerpen zur Fritz Berger Filiale, um einen Grundstock für Bernd zu kaufen. Kabel, Adapter und Auffahrböcke hatte ich schon, der Rest fehlte noch.

Ein gutes Stündchen rannte die arg geduldige Verkäuferin mit mir durch den Laden und beantwortete sämtliche Anfängerfragen mit denen ich sie löcherte.

Shoppingresultat war:

  • Klo inkl. Chemikalien
  • Gasflasche 5kg
  • Solardusche
  • Saugnäpfe
  • Wasserkanister 13L
  • Faltkanister
  • Gasgrill inkl. (falscher) Gaskartuschen
  • 230V zu 12 V Stromanschlussteil

Alles in Bernd rein und los zum Supermarkt, weil ich weder was zu trinken noch sonst irgendetwas Nahrungstechnisches dabei hatte.

Lars hatte für mich ebenfalls einen Stellplatz im Campingpark Zell an der Mosel reserviert und dahin machte ich mich jetzt laut singend auf den Weg.

Ich war zwar viel später dran, als ich eigentlich vorhatte, aber trotzdem ließ ich mich nicht hetzen und gondelte gemütlich hinter den LKW die A61 hinunter.

Eigentlich habe ich für Geschwätz gehalten, wenn ich las oder hörte, kaum fährst los, schon fängt der Urlaub an. Es ist tatsächlich so! Ungelogen und ohne dappische Romantik! Man setzt sich hinter das Steuer von so einem Teil, tuckert los, hört Musik und tatsächlich fängt man an zu entspannen.

Das Navi schickte mich viel früher als gedacht von der Autobahn und die Strecke die dann folgte, war mit ihrem verwinkelten Auf und Ab schon eine echte Belastungsprobe für Bernd. Die er aber easy bestand!

Die Strecke durch das Moseltal war wunderschön…teilweise schroff, teilweise stark bevölkert, dann wieder menschenleer. Ich genoss jeden Meter.

Und genau darum geht es, entspannt angucken, was es hier in Europa, Tolles gibt und wenn es kein 3 Wochen Trip ist, dann halt nur an einem Wochenende.

Ich habe auf meinen Reisen so viel gesehen, fremde Kulturen, super schöne Landschaften, tolle Strände…habe fantastisches Essen probiert….habe großartige Leute kennen gelernt…Ich will diese Art von Reisen im Nachhinein gar nicht schlecht machen, im Gegenteil, ich werde wieder dorthin fliegen, ich werde das alles wieder genießen, aber bei diesen Reisen war nie der Weg schon das Ziel. Selbst wenn man, wie ich, gerne fliegt, ist man dennoch etwas gestresst….hoffentlich ist es nicht so voll beim Check in….los wir müssen durch den Security Check….welches Gate war es noch……

Jetzt gab es weder Gates, noch Security Checks. Sicherlich wollte ich an mein Ziel kommen, um die Zwei zu sehen, aber trotzdem gab es keinen Grund zu hetzen.

Ich schaffte es bis ganz zum Schluss der Strecke, mich nicht zu verfahren, bis ich in der Straße wo der CP war rechts anstatt links abbog. Fehler erkannt, Fehler gebannt!

Kurz angemeldet und dann kamen Nicole und Lars auch schon zur Begrüßung und um mich zu meinem Stellplatz zu begleiten. Was mach ich? Ich stellte mich einfach druff und die beiden guckten verwirrt….als ich ausstieg, fragten sie ob ich nicht lieber umdrehen wolle, so würde ich ja gar nichts von der granaten Aussicht sehen. Ich guckte mich um, stieg möglichst lässig hinters Steuer und stellte Bernd andersrum hin.

Mein Stellplatz war wirklich der Hammer! Keine 3 Meter vom Moselufer weg, mit einem tollen Blick auf die gegenüberliegenden Weinberge. Strom, Wasser direkt am Womo….Luxus.

Ich packte meinen neuen Super-Duper-Lidl Tisch aus und wir tranken erstmal ein Begrüßungsbier…

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Es ist sicher, dass ich in meiner Camper-Karriere nicht immer auf solche einem Luxusplatz stehen werde, aber so für das erste Mal war dieser Platz genau richtig.

Zwischendurch werde ich mir solche Plätze auch zukünftig gönnen, vor allem wenn ich nur einen Wochenendtrip mache.

Nach dem Begrüßungs-Bierle fing ich an mich einzurichten, Strom dran, Fahrradträger montiert, Klo ausgepackt und befüllt, Wassertank gefüllt ….

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Danach grillten wir, ratschten, lachten und genossen den herrlichen Abend.

Irgendwann wurde es Zeit zu pennen und ich richtete mein Bettlager her. Leider drapierte ich in der ersten Nacht die Auflagen falsch rum und ich schlief wie ein Krüppel.

Als ich aufwachte riss ich als erstes die Schiebetür auf und der Anblick entschädigte absolut für die nächtlichen Strapazen….

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Es war großartig, wenn auch reichlich frisch und das, obwohl der Tag vorher echt heiß war und es wieder genauso werden sollte. Schlagartig fiel mir mein altes Heizungsproblem wieder ein und mir war klar, dass ich das nicht ewig würde aufschieben können.

KAFFEEDURST! Aufgestanden, Flötenkessel in meiner Spüle mit der funktionierenden Pumpe gefüllt (war so begeistert von fließend Wasser im Auto)  😉 und dumm den Herd angeglotzt. ANFÄNGERFEHLER….kein Feuer in der Karre. Kurzzeitig überlegte ich mir, ob es eine gute Idee war, vor nem halben Jahr mit dem Rauchen aufzuhören, ging dann aber zu Nicole und Lars rüber. Sie gaben ja immer an, so früh aufzustehen und was war? Sie pennten noch!

Ich streifte über den Platz, aber ich schien echt der Erste auf den Beinen zu sein, bis mein Stellplatznachbar sich regte und mir sein Feuerzeug lieh!

Mit Kaffee in der Hand saß ich in meiner Schiebetür und genoss den Morgen (so etwas habe ich noch NIE geschrieben oder gesagt, aber ich genoss den MORGEN wirklich).

Irgendwann kam auch Leben ins Womo der beiden und wir frühstücken gemütlich. Langsam wurde ich aber unruhig, auch wenn es bei dem tollen CP eine Schande war, ich wollte auf die Straße und Bernd bewegen. Er war noch zu neu und ich hatte mir vorgenommen Retour nur über Landstraße zu fahren und mir die Landschaft anzuschauen.

Ich packte meine Sachen zusammen, verstaute sie (was alles in allem fast routiniert ablief), verabschiedete mich von meinen Freunden und fuhr dann auch bald los.

Auf der Rückfahrt legte ich an einer schönen Stelle einen Zwischenstopp ein. Man hatte einen tollen Weitblick von oben auf das Moseltal herab. Als ich losfahren wollte, klackte Bernd nur, als ich ihn starten wollte. die Batterie konnte es nicht sein, denn leiererte noch nicht mal. Nach ein paar mal sprang er dann doch an. Dieses Problem hat er immer noch, wenn er warm ist. Muss ich mal nach gucken lassen. Ansonsten schnurrt er wie ein Kater und macht null Mucken. Der Verbrauch lag auf diesen gut 400 km bei 9,5l/100km, was ich ganz in Ordnung fand.

Dieses Kennenlern-Wochenende war chaotisch, teils stressig, aber auch eine persönliche Erfahrung. Das werde ich nicht so schnell vergessen….