33 erster (und letzter) Halt Rovinj

Definition “renovierungsbedürftig”

Abnutzungsspuren sind erkennbar und somit das Aussehen erheblich beeintächtigt

Es wurde Zeit diese Campingplatzstadt zu verlassen. Als nächstes Ziel hatte ich mir Rovinj eine Stadt in Istrien ausgedacht und auch schon ein paar Campingplätze rausgesucht. Die Strecke sollte nur knapp über 3 Stunden dauern und so brach ich nach einem gemütlichen Kaffee auf. Für die Strecke von meinem Stellplatz zum Ausgang des Campingplatzes brauchte ich nicht mehr eine Stunde, wie es noch bei meiner Ankunft auf dem umgekehrten Weg der Fall war.

Es war wirklich heiß und so gondelte ich mit runtergekurbelten Fenstern Richtung slowenischer Grenze und genoss den Ausblick auf den Golf von Triest. Die Grenzer hatten scheinbar auch wenig Drang, ihr klimatisiertes Büro bei diesen Temperaturen zu verlassen, denn am Grenzposten stand niemand. 

Die Fahrt wurde erst auf dem letzten Drittel etwas nervig und anstrengend, denn in den Randbezirken der slowenischen Stadt Koper war viel Verkehr und die Streckenführung hinter Koper war so gar nix für Herrn Joplin. Steil bergauf und wegen der Serpentinen keine Chance irgendwie Schwung zu holen. Wir schafften es dennoch. Nachdem wir die kroatische Grenze passiert und den letzten Berg erklommen hatten, war der Rest ein Kinderspiel.

Ich fuhr direkt zum Camping Amarin, parkte Herrn Joplin und  ging in das Rezeptionsgebäude. Man gab mir einen Faltplatzplan und sagte mir, ich solle mir einen Platz aussuchen, dann zurückkommen und dann würden wir den Rest machen. Die Dicke des Faltplanes hätte mich eigentlich schon stutzig werden lassen sollen….tat es aber nicht und so wanderte ich bei 36 Grad los, um mich umzuschauen. 

Irgendwie konnte mich schon der Anfang meiner Besichtigungstour nicht richtig überzeugen, man lief durch ein Viertel von Ferienhäusern. Auf einem Campingplatz erwarten man eigentlich, dass die einzigen gemauerten Gebäude das Sanitärgebäude und vielleicht die Rezeption sind. Der Platz zog sich und es gibt stetig bergab zum Meer in. Überraschenderweise waren schon viele Plätze belegt und somit war die Chance auf einen Platz mit Meerblick gleich null. Ich schaute mir die die Sanitärhäuser an und kam´mir in die kommunistischen dirty old 70ies zurückversetzt vor. Ich bin ja nun echt kein Luxusschnecksche, aber mitten im Sanierungsstau duschen wollte ich nun auch nicht.

Die Stellplätze selber waren unter Pinien und mächtig schräg, aber ok. Schön wurde der Campingplatz unten am Meer. Eine kleine Promenade, hier ein Restaurant, da ein Pool. Dennoch fühlte ich, dass ich hier nicht bleiben wollte. Mein ganzer schöner Plan fürn Arsch! Ich hatte aber so keinen Bock mehr auf einen Riesencampingplatz, nachdem ich das schon in Italien hatte. Ich setzte mich auf eine Mauer und googelte nach Minicampingplätzen in Rovinj und fand so Val Vidal. Nach den Fotos recht hübsch, irgendwas um die 30 Stellplätze, nicht direkt am Meer, aber nur 180 Meter davon entfernt… ich rief die angegebene Nummer an und ein Mann meldete sich…er wäre jetzt nicht am Platz, aber er würde mir eine Nummer per SMS schicken und dort könnte ich anrufen, sein Frau wäre am CP. Dahte nur “Oh je….”. Es klappte wirklich, ich erhielt eine SMS und rief die Nummer an… Ja sie hätten noch einen Platz frei…voller Panik, dass dieser eine Platz eventuell in der Zwischenzeit vergeben werden könnte, lief ich den Berg in Richtung Rezeption und Herrn Joplin hoch. Keuchend und nass geschwitzt kam ich oben an, drückte dem Wachmann den Faltplan in die Hand und schwang hinters Lenkrad. Obwohl ich dringend einkaufen musste, fuhr ich auf direktem Weg zum Val Vidal südlich von Rovinj, um mir meinen Platz dort zu sichern. 

Ich fand den Platz, stellte Herrn Joplin irgendwo ab, stieg aus und wusste : HIER BLEIB ICH! Der CP war superschön angelegt, mit groben Bodenbelag, einer Bar als zentralen Punkt, die Stellplätze teilweise unter Bäumen…Eine Frau saß an einem Tisch und schaute mich freundlich an, sie war diejenige mit der ich telefoniert hatte. Sie zeigte mir ein paar Plätze und ich suchte mir einen aus. Jetzt wurde mir klar, dass ich auch hätte erst einkaufen gehen können, aber das konnte ich vorher ja nicht wissen. Ich buchte den Platz lediglich für 2 Tage, denn ich wollte der Adria Magistrale ja weiter folgen.

http://www.valvidal.com/

Ich ging einkaufen, richtete mich ein und relaxte ein wenig. Der Platz war wirklich klasse, völlig entspannt und chillig. Irgendwann kam auch der Mann mit dem ich telefoniert hatte. Er stellte sich von und Zoran und ich waren sofort absolut auf einer Wellenlänge. Er war Musiker und dieser CP war das Grundstück auf dem das alte Haus seiner Großeltern gestanden hatte. Wir kamen sofort ins reden und und trinken. Als es Zeit für den Sonnenuntergang war meinte er komm, das musst du sehen. Angetüdelt vom Ozujsko folgte ich ihm und Val, dem Campingplatz-Hund, runter zum Meer. Es war wunderschön! Das würde mein Place To B an den kommenden Abenden sein. Wir stießen mit einem Bier an und genossen Schweigend die Stimmung.

Da war es wieder, was mich am Reisen so fasziniert und was Reisen für mich ausmacht. Man sammelt Momente, Erinnerungen und Bekanntschaften, ohne das man es vorher planen kann. Es geschieht einfach und man muss nur offen genug sein, es geschehen zu lassen. 

Die Bar im Val Vidal war der Treffpunkt für alle Bewohner des Platzes. Dort gab es einen Kühlschrank für die Bewohner mit Zelt, man trank ein Bier oder Wein nach seinen Tagesausflügen oder nach einem langen Strandtag, man schmiedete Pläne für den nächsten Tag oder man schwätze mit jedem, der nicht schnell genug weglaufen konnte. Es war ein sehr kommunikativer Ort, der sehr gerne genutzt wurde und wo es einfach war Leute kennenzulernen.

Die Tage flogen vorbei, ich erkundete  die Umgebung, SUPte ein wenig, war mit dem Rad unterwegs, irgendwann merkte ich, dass ich schon 6 Tage da war. Für mich bedeutete das, dass ich meinen Plan die Adria Magistrale hinunter zu fahren über den Haufen werfen konnte und ich beschloss einfach noch etwas zu bleiben. 

Das war auch etwas, dass ich erst lernen musste. Wenn man irgendwo hängen bleibt, weil es einem so gut gefällt, wenn man die Zeit vergisst, dann soll es so sein, völlig egal was man vorher geplant hatte, dann ist dieser Ort zu dieser Zeit es wert, seine Pläne zu ändern. 

Für jemanden wie mich, der schon alleine wegen seiner persönlichen Veranlagung zum Chaos versucht, viel zu planen, ist diese Erkenntnis nicht so leicht, denn sie bedeutet, dass man seinem Chaos und seinem Flow Raum gibt, was im Alltag sehr oft sehr hinderlich ist.

An der Bar lernte ich ein Studentenpärchen kennen. Sie waren mit Zelt und ohne Fahrzeug unterwegs und hatten sich hierhin mit Mitfahrzentralen usw. durchgeschlagen. Die beiden Mädels waren schon ein bissl speziell. Leicht chaotisch, aber sehr witzig. Wir verbrachten etwas Zeit miteinander, machten Sightseeing in Rovinj, gingen essen und laberten viel. Eines Tages fragten sie mich wie meine weitere Planung aussehen würde. Ich sagte, dass ich je nach Wetter noch zur Soca in Slowenien fahren würde, meine Pläne die letzten Wochen aber selten funktionieren würden und ich diesen Plan deswegen einfach als Option einer offenen näheren Zukunft sehen würde. Fix war, dass ich einen Freund am folgenden Wochenende überraschen wollte, wenn er seinen 40sten Geburtstag feiern würde. Jedenfalls fragten sie mich, ob ich sie, wenn es denn passen würde mit Richtung München nehmen könnte, sie hätten von dort am Samstag eine Mitfahrgelegenheit nach Hause. Ich stimmte dem zu…

….warum sollte ich die zwei auch nicht mitnehmen?