18 Endlich wieder in die Sonne

Definition „Unwetter“….

sehr schlechtes, stürmisches, meist von starkem Niederschlag [und Gewitter] begleitetes [Schäden verursachendes] Wetter

Nach ein paar Kurztrips wurde es Zeit, endlich mal wieder etwas weiter weg zu fahren. Da meine damalige Freundin, ihre Kleine und ich auch noch zusammen Urlaub machen wollten, hatte ich maximal zwei Wochen Zeit und beschloss einfach, nach Italien an die Adria zu fahren und mich dort auf einen Campingplatz zu stellen.

Wie immer waren meine Vorbereitungsplanungen für den Arsch und ich hing wieder hinter her. Hatte mir vorgenommen nach Hall in Tirol zu fahren und dort die erste Nacht zu verbringen. Der Campingplatz war direkt an dem Freibad in dem ich schon immer war, als die Jungendgruppe, mit der ich immer unterwegs war, in Tulfes übernachtete und schwimmen ging. Es sollte so ein kleiner Backflash werden. Als ich endlich wegkam gondelte ich gemütlich die A8 runter und musste natürlich durch den üblichen Stau bei Pforzheim und Stuttgart. Ich merkte zum ersten Mal die unterschiedlichen Strecken zwischen meinem Navi und Google Maps. Ich entschloss mich ausnahmsweise mal der Strecke von Google Maps zu folgen und über die Fernpassstraße zu fahren. Es war wirklich wirklich schön und ich genoss die Fahrt und die tollen Aussichten sehr.  Ich hatte Glück, dass ich den letzten Stellplatz auf dem CP bekam. War cool da zu sitzen und die Berge wiederzuerkennen, auf die ich als Teen gekraxelt bin. Es kam der erhoffte Backflash und ich genoss das tolle Wetter und hing meinen Gedanken nach.

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Am nächsten morgen stand ich entspannt auf und schaute mit einer Tasse Kaffee dem Treiben auf dem Campingplatz zu. Ich hatte es nicht eilig, denn ich wusste, dass ich soooo viele Kilometer nicht mehr vor mir hatte und genug Zeit bis der CP in Caorle schließen würde. Schließlich packte ich zusammen, ging tanken und fuhr los. Vor der Maut Station am Brenner gab es einen Stau. Bergauf und Stau konnte Bernd überhaupt nicht leiden und qualmte arg, was mir ein wenig Sorgen bereitete. Ich befürchtete schon das Schlimmste und war froh, als wir die Mautstation endlich passieren konnten und frei Fahrt vor uns lag. Der Brenner war jetzt auch nicht wirklich Bernds Revier. Er qualmte nicht mehr so arg, aber bergab überholten wir die LKW, die uns bergauf wieder auf der Pelle hingen.

Bei Bozen kamen wir in einen Stau und ich holte Google Maps wieder raus und das zeigte mir eine Strecke an, die genauso lang dauerte aber 120 Kilometer kürzer war. Ich beschloss dieser Strecke zu folgen, es hatte mittlerweile angefangen zu regnen, aber mir war fahren lieber, als Stehen und Bernd auch, denn er qualmte beim Fahren deutlich weniger. Die Strecke war super, Regen, Nebel, Berge …es war eine Stimmung wie bei die purpurnen Flüsse. War sehr toll. Ich reise gerne alleine, aber das war mal wieder einer der Augenblicke, die man gerne geteilt hätte.

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Alleine zu reisen hilft einem dabei sich selbst wieder näher zu kommen. Was toll ist. Andererseits mach alleine reisen einem bewusst, wie einsam man sein kann. Es hat alles zwei Seiten und so ist es auch, wenn man alleine auf der Straße ist. Es ist schön sich nur mit sich selbst zu beschäftigen, nur sich selbst zu fragen worauf man Lust hat. Aber je länger man das macht, desto mehr merkt man, dass etwas fehlt. Man spürt eine Lücke, eine Unvollkommenheit. Aber auch das Wissen um diese Lücke hat mehrere Seiten, entweder man schließt sie, sobald sich die Möglichkeit ergibt oder man akzeptiert sie als eine Erfahrung ODER man fällt in diese Lücke und hat große Schwierigkeiten, dort wieder herauszukommen. Nach meinen Erfahrungen ist Seite 1 die wirklich erstrebenswerte Seite. Seite 2 ist ok, aber irgendwie schade, Seite 3 ist leider ab und zu meine.

Nach einigen Wolkenbrüchen, ging es endlich Richtung Meer und je näher ich ihm kam, desto mehr klarte das Wetter auf. Letztendlich fand ich dann auch den Campingplatz Laguna Village. Beim einchecken wollte man meinen. Personalausweis behalten. Woraufhin ich Ihnen erklärte, dass sie gerne eine Kopie machen dürfen nicht mehr nicht weniger. Wir einigten uns darauf und letztendlich konnte ich auf meinen Stellplatz, den ich vorher gebucht hatte. Es war ein Eckplatz im Halbschatten. Ich richtete mich ein und baute auch das Sonnensegel auf, was aufgrund des sandigen Staubbodens gar nicht so einfach war. Kaum hatte ich mich eingerichtet, alles angeschlossen, ausgepackt, aufgebaut, fing es an zu regnen und ich musste das Sonnensegel neu abspannen, damit das Regenwasser auf einer Seite runter lief. Seitdem war der Ausblick aus Bernd nur noch beschränkt toll. Der Regen verwandelte den Staubboden in ein Moor und alles rund um und in Bernd sah aus wie Sau. So kam ich zu meinem Campingteppich, der das Leben wirklich erträglicher machte.

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Wie das so ist, kommt man schnell mit Mitcampern ins Gespräch. Eine Mitcamperin fragte mich, ob ich eine Luftpumpe für Ihr Fahrrad hätte, hatte meine elektrische Pumpe dabei und pumpte ihren Reifen auf und zog zwei Schrauben fest. Plötzlich verkam ich zum Platzmechaniker, hier einen Kinderwagen reparieren, dort einen Stuhl richten, da einen klemmenden Fahrradträger öffnen. Ich hatte mich nicht um diese Stelle beworben und habe auch eigentlich gar nicht die entsprechenden Kompetenzen, aber irgendwie waren die Reparaturen nicht so wild und ich war grade da, um sie zu machen. Habe so manches Bier verdient.

Eines Abends kamen die Mücken und offensichtlich habe ich seit letztem Jahr eine gesunde Phobie entwickelt. Jedenfalls saß ich bei 30 Grad vollständig mit langen Klamotten und Schal angekleidet in Bernd und traute mich nicht raus. Ich hatte nichts gegen Mücken dabei. Das kaufte ich erst am nächsten Tag im Campingplatz-Supermarkt. Aber dann richtig, hatte Kerzen, Räucheringe, Sprays…..auf 50 Meter traute sich keine Mücke in meine Nähe.

Der Strand war nett aber nicht mehr und nicht weniger. Ich zwang mich, mich ab und zu zu bewegen und ging joggen, fuhr mit dem Rad oder paddelte ein wenig. Der Ort war ein typischer Touriplatz und jetzt nicht wirklich spannend.

Eines Abends wurde es plötzlich windig und fing an wie wild zu regnen und zu stürmen. Ich saß in Bernd und beobachtete das Sonnensegel, von dem ich eigentlich dachte, dass ich es so abgespannt hatte, dass es die Apokalypse überstehen würde. Habe selten einen solchen Sturm erlebt und hatte echt Schiss, dass mir das Segel die Kederleiste aus dem Dach reißen. Als der Sturm ein klein wenig abflachte, sprang ich aus Bernd und zog das Segel aus der Leiste und schmiss es unter das Auto. Das war der Moment in dem ich mir schwor, dieses Ding nie mehr an die Karre zu klatschen.

Ich vermisste meine beiden Mädels und so beschloss ich ein paar Tage früher abzureisen. Ich packte meinen Kram zusammen, checkte aus, tankte und fuhr los. Der eigentliche Plan war, irgendwo an der deutsch-österreichischen Grenze anzuhalten und dann am nächsten Tag den Rest zu fahren. ABER der Verkehr in Italien war so flüssig und Bernd lief so gut und schnell, dass ich schon um 13:30 bei Innsbruck war, also beschloss ich durchzufahren und wieder die Fernpassstrasse zu nehmen. Kaum fahre ich den Berg hoch kommen wir in einen fetten Stau, der mich sicherlich 2 Stunde kostete. Als ich durch den Grenztunnel kam, wollte ich es dann aber wirklich durchziehen und bis heim zu fahren.

Es war zwar ein 12-13 Stunden-Ritt aber ich kam an und fiel tot ins Bett. Bernd war der Hammer! Rauchte er auf der Hinfahrt noch vor sich hin, lief er auf der Rückfahrt fast wie ein Jahreswagen.

Alles in allem war es ein schöner Trip. Nicht so aufregend, wie der Roadtrip im Jahr zuvor, aber doch schön und teilweise auch spannend.

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