19 Geliebtes Zeeland

Definition „Gegenwind“

Wenn Marcus 90 Minuten landpaddeln geht und sein Gesicht danach glatt wie ein Kinderbobbes ist

Zusammen mit meiner damaligen Freundin und ihrer Kleinen war ich zum Familienurlaub auf Lanzarote, was auch wirklich schön war, wenn auch für mich komplett neu und deswegen nicht wirklich entspannend. Ein paar Wochen danach hatten die beiden einen Trip mit einer Freundin nach Nizza geplant und ich beschloss in dieser Zeit nochmal loszuziehen u, das gute Wetter im August nochmal zu nutzen.

Ich entschied mich nach Holland an den Brouwersdam zu fahren. Dort war ich als Teenie und als junger Erwachsener gerne. Die Gegend Zeeland war von der Springflut in den 50 er Jahren betroffen und der Brouwersdam gehört zu den Maßnahmen die getroffen wurden um Holland vor dem Meer zu schützen. Der Damm führt hinter großen Dünen entlang, ist befahrbar und nun schon seit Jahrzehnten DER Spot für Wind- und Kitesurfer in Holland und für den Nordwesten Deutschlands.

Nun mache ich keine der beiden Surfarten, aber dennoch mag ich die Stimmung und den Style der da herrscht. Jeder kann es kaum erwarten aufs Wasser zu kommen, so arg, dass gar keine Zeit zum Posen bleibt. Also geht es dort nicht ums cool sein, was die Gegend und die Leute noch viel cooler macht.

Ich machte einen Zwischenstop in Aachen bei meiner Mutter, was sich als ganz gut entpuppte, denn tatsächlich verabschiedete sich meine Billigkühlbox, die ich ständig und immer gelobt hatte und auf die ich heute noch kein schlechtes Wort kommen lasse. Aber sie verabschiedete sich und ich fuhr morgens erstmal zu zwei Baumärkten, wo es jeweils keine gab die passend gewesen wäre. Entweder es waren rein passive Kühlboxen, oder sie waren schlichtweg zu klein, was mich leicht in die Verzweiflung trieb, als ich aus dem zweiten Baumarkt rauskam. Ich stand da, kratzte mir den Kopf und überlegte, wo es noch einen Baumarkt geben könnte, als mein Blick auf eine ATU Filliale fiel. Sofort hin und die für meine Bedürfnisse perfekte Kühlbox gefunden.

Ich hatte mir einen CP direkt in der Nähe des Damms ausgesucht, dafür nicht direkt in Renesse, die Plätze dort waren entweder ausgebucht oder utopisch teuer. Der Platz Klaverweide war ganz nett, aber abgesehen von der Lage nichts wirklich Dolles. Die Betreiber waren nett, aber das WLAN mehr als beschissen, was umso schlimmer war, da sich mein Datenvolumen weshalb auch immer aufgebraucht hatte. Hab noch versucht, bei O2 umzubuchen, klappte aber nicht. Habe keine Ahnung, wie ich im Jahr vorher, durch halb Europa gegondelt bin, ohne das Volumen aufzubrauchen.

Naja ging auch ohne, auch wenn es mich echt nervte.

Morgens verließ ich den Platz, wie die meisten, ließ Tisch usw. dort stehen und verbrachte den Tag am Damm oder am Grevelingen Meer. Ich war relativ aktiv und war viel mit dem Rad oder dem Board unterwegs. Ich vermisste meine Mädels, auch wenn sich da schon andeutete, dass es nicht für ewig sein würde.

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Dieser Trip an die raue Nordsee war wieder einmal eine Reise zu mir selber und eine Reise in mich. Weg von daheim zu sein, gab mir wieder die Chance, mir dem Kopf frei pusten zu lassen und klare Gedanken zu fassen.

Ich genoss das Klima, den Wind, die Stimmung ….all dies animierte mich dazu mich zu verausgaben, intensivste Paddelsessions durchzuziehen, so wie ich es schon Jahre nicht mehr getan hatte. Das Gefühl der völligen körperlichen Erschöpfung lies mich lachen und gab mir eine tiefe Befriedigung.

Die Kleine hatte Geburtstag und obwohl ich es alles so mochte, verließ ich mein geliebtes Zeeland deswegen früher und machte mich auf den Weg in Pfalz.

Man hat ja so sein Bild von Anhaltern, was sich auch immer wieder bestätigt ….man hat das Bild eines offenen, kommunikativen, freundlichen Menschen, der nicht viel Kohle hat, aber trotzdem was von der Welt sehen will. Ab und zu nehme ich Anhalter mit, um mir die Zeit zu verkürzen. So war es auch hier, kaum kam ich über die deutsche Grenze, musste ich aufs Klo und hielt an einer Raststätte. Dort sprach mich ein junger Kerl an, ob ich ihn ein Stück mitnehmen könne. Ich stimmte zu und er schmiss seinen Rucksack hinten rein. Dann schwieg er ….ich fragte ihn etwas und er nickte und schwieg ….nachdem mir das zu blöd wurde beschloss ich ihm eine Frikadelle ans Ohr zu reden. Ich erzählte und laberte und schwallte…er wurde immer unruhiger und nach 200 km fragte er, ob ich ihn am nächsten Rastplatz rauslassen könne, ein Kumpel würde ihn abholen. Ich machte ein trauriges Gesicht und setzte ihn ab. Als ich weiterfuhr lachte ich, bis die Tränen kamen.

Der Rest der Fahrt lief extremst unspektakulär und ich, kam noch relativ zeitig auf der Geburtstagsfeier an, wo der Überschwang der Wiedersehensfreude aber eher ….hmmm sagen wir….verhalten war.

Am nächsten Tag konnten die zwei nicht und ich beschloss den Abschluss meines Urlaubs nicht daheim zu begehen und fuhr auf einen CP an der Kollerinsel einen Altrheinarm nördlich von Speyer. Der Platz war eigentlich noch eine Baustelle und die Infrastruktur …..ging so, aber dennoch war es nett und gab mir die Gelegenheit meinen Trip Revue passieren zu lassen.

Eins ist sicher, es war definitiv nicht der letzte Trip an die holländische Küste

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