46 Schiffe heben und Gummibärchen im Elsass

Definition “Sucht”

krankhafte Abhängigkeit von einem bestimmten Genuss- oder Rauschmittel o. Ä.

Nach dem fiesen Silvester hatte ich erstmal keine Lust mehr auf Treffen mit der Campergruppe. Aber es ging Richtung April, das Wetter wurde dauerhaft besser und rund um meinen Geburtstag war ein Treffen im Elsass geplant. Da wollte ich dann doch teilnehmen und meine besten Freunde wollten auch dabei sein.

Ich machte mich mit meiner Freundin auf den Weg. Das Treffen sollte an der Grenze zu Lothringen in Arzviller unweit des Schiffshebewerk sein. Den CP hatte derjenige rausgesucht, der immer die schönsten Treffen der Gruppe organisierte und ich war ziemlich optimistisch, dass es auch jetzt wieder gut werden würde. 

Als wir ankamen stellte sich raus, dass der Campingplatz relativ einfach war, aber trotzdem superschön am Kanal gelegen. Wir fanden die Gruppe, begrüßten alle und richteten uns ein. Meine besten Freunde waren noch nicht da, aber ich wusste, dass sie demnächst kommen würden. 

Das Wetter war wirklich toll. Tagsüber hatten wir schöne 22 Grad und Sonne. Nur abends wurde es aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit ziemlich ungemütlich und frisch. Den ersten Abend verbrachten wir mit grillen, quatschen, trinken und lachen am Lagerfeuer. 

Ich merkte am Zigarettenkonsum meiner Freundin, dass sich früher oder später ein Drama ankündigen würde….wir wollten 5 Tage da bleiben, aber sie hatte nur drei Packungen Zigaretten dabei ….das konnte nicht klappen ….ich weiß, dass es in Frankreich nur in speziellen Geschäften Kippen gibt und ich hatte sie auch darauf hingewiesen, aber scheinbar war ich nicht deutlich genug. Das war eine Sache, die ich niemals würde verstehen können. In meiner jahrzehntelangen Raucherkarriere, wäre es eher passiert, dass ich nichts zu essen habe bevor ich nicht ausreichend Kippen dabei habe….aber ok, vielleicht war ich auch einfach eigen.

Den nächsten Tag ließen wir leicht verkatert eher ruhig angehen. Aus irgendeinem Grund hatten sich alle mit ihren Stühlen vor Herrn Joplin versammelt und schwätzten den ganzen Tag durcheinander.. Zuerst fühlte ich mich noch als Gastgeber, als ich aber merkte, dass die alle nicht gehen würden ließ ich sie unter meiner Markise sitzen und ging zwischendurch ein Mittagsschläfchen machen. Manchmal ist es einfach super vorteilhaft, wenn man schlecht hört …da lässt man sich dann auch nicht von Gesprächen oder Gelächter vor seinem Camper vom Schlafen abhalten. 

Wie ich schon sagte, war der Campingplatz relativ einfach und genauso waren die Sanitärhäuser auch. Über die Duschen konnte man gar nichts negatives sagen, aber wenn man aus der Klokabine rauskam stand man direkt in der offenen Spülküche und konnte den Spülern über die Schultern schauen. Die Situation war für alle Beteiligten eher unangenehm. Jemand der während seines Geschäfts auf dem Klo sein Ruhe braucht, fands doof, wenn draußen Geschirr klapperte und wenn man spülte fand man es eher unschön, wenn man zuhören musste wie keine zwei Meter in seinen Rücken die Pobacken des Stuhlgängers beim pupsen gegeneinander klatschten. Irgendwie war der ganze Aufbau doof geplant. Über fehlende Sauberkeit konnte sich allerdings wirklich niemand beschweren.

Nach einem launigen Abend mit ersten Kippendefiziten der anwesenden Raucher und einer entspannten Nacht frühstückten wir an meinem Geburtstag in der herrlichsten Frühlingssonne. Heute wollten wir alle das berühmte Schiffshebewerk besichtigen. Der Organisator des ganzen Treffens hat ein Talent immer sie gesamte Gruppe zu animieren, an irgendwelchen Aktionen teilzunehmen und so machten sich alle auf den Weg, den Berg hinauf.

Das Schiffshebewerk war wirklich beeindruckend. Die Boote werden hier in einem Becken über 40 Meter nach oben bugsiert um den massiven Höhenunterschied auszugleichen. Allerdings muss man sagen, dass das Ganze von Außen wesentlich spannender anzuschauen ist, als wenn man in einem Boot sitzt nach oben gehoben wird und doch nichts sehen kann, weil die Wände des Beckens zu hoch sind. Wie auch immer, es war definitv eine nette Art und Weise, seinen Geburtstag zu verbringen.

Ich mache selten ein großes Aufhebens um meinen Geburtstag. Ich hole ein paar Kästen Bier und das war es dann auch schon. Auf der anderen Seite erwarte ich aber auch keine große Feier oder viel Bahai. Meine Freundin verkroch sich nach unserer Rückkehr bei einer guten Bekannten ins Wohnmobil und machte irgendwas. Ich genoss ein Nickerchen und war mit der Welt im Reinen.

Als wir abends zusammen saßen standen plötzlich alle der Reihe nach auf und überreichten mir jeweils ein kleines Geschenk. Eigentlich waren sie alle genauso überrascht wie ich, meine Freundin hatte sie dazu genötigt …Das war genauso wie ich es nicht leiden konnte, viel Galama zu meinem Geburtstag um nichts. Ich machte gute Miene zum bösen Spiel und versuchte mir nichts anmerken zu lassen, aber innerlich kochte ich, denn mein Freundin wusste, dass ich sowas leiden konnte, wie eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung. Wie auch immer, wir brachten das hinter uns, ich saß da mit 30 Geschenkchen voller Gummibärchen und versuchte meine Freundin nicht auf der Stelle zusammenzufalten. Sie hielt es immer noch für eine grandiose Idee.

Am nächsten Tag war die Stimmung vor allem bei den Rauchern eher halb toll. Sie hatten keine Kippen mehr und konnten sich auch nicht mehr gegenseitig anschnorren. Also blieb nichts anderes übrig, als jemanden zu bitten uns zu einem Tabakshop zu fahren. Wir sollten noch zwei Tage da sein und eine handvoll Raucher zwei Tage ohne Kippen konnte und wollte sich niemand antun. Meine Freundin hatte die Tage über geraucht wie ein Schlot, wollte aber jetzt nur eine Packung Kippen haben, da sie der festen Ansicht war, damit hinzukommen. Da ich jeglicher Diskussion aus dem Weg gehen wollte, ging ich die Kippen holen und holte drei Packungen für sie.

Ich hatte einen Thai-Grill zum Geburtstag bekommen und wollte ihn unbedingt ausprobieren. Udo (einer meiner besten Kumpel) schaute schwer zweifelnd, denn Grillen und Suppe passte für ihn überhaupt nicht zusammen. Die ganzen Zutaten hatten wir schon besorgt und das Fleisch entsprechen asiatisch mariniert. Das Ende vom Lied war, dass Udo vor lauter Begeisterung kaum noch zu bremsen war und die Suppe schlürfte, als hätte er nie was anderes gegessen, als Thai-Suppe.

Die Reihen des Treffens lichteten sich langsam und auch wir räumten unseren Kram zusammen. Da wir noch zwei Tage Zeit hatten und Rheinmünster auf unserem Heimweg lag, beschlossen wir uns dort noch einen Platz zu buchen, um ein bißchen SUPen zu gehen.

Das Treffen war wirklich nett und der Platz echt schön, aber mit Potential nach oben. Das es nicht in die Top Ten der besten Treffen ever eingehen wird, lag weder am Wetter, noch an der Lage des Platzes noch an den meisten Leuten. Ich befand mich in einer schwierigen Phase meiner Reha und konnte das nicht immer ausblenden.

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