49 Frankreichtrip mit Freunden

Definition “haushalten”

sparsam wirtschaften 

Den Sturm und das Campertreffen an der Mosel hatte ich glücklicherweise überlebt und da zwei Freunde von mir schon öfters zusammen in Urlaub gefahren sind, sie immer wieder davon erzählten und ich eh Zeit hatte, beschloss ich mit ihnen direkt in Anschluss an das Campertreffen auf einen kleinen Frankreichtrip zu gehen.

Ich mag es in Kolonne zu fahren, auch wenn ich sehr oft vorne fahren muss, da Herr Joplin nicht das schnellste Gefährt auf dem Markt ist. Mit den Beiden waren die Kolonnenfahrten immer leicht chaotisch, da wir alle nicht die größten Orientierungskünstler sind.

Wir wollten auf dem Weg in Luxemburg tanken. Da ging es schon los. es dauerte etwas bis wir eine entsprechende Tankstelle fanden wo wir alle Platz hatten. Gefühlt dauerte es eine halbe Stunde, bis wir alle getankt und unsere Einkäufe erledigt hatten. Ich versuchte ruhig zu bleiben, denn eigentlich ist sowas gar nix für mich. Wenn ich on the road bin, dann tanke ich zackig und schlendere nicht noch erst durch den Shop der Tanke, sondern schaue, dass ich auf die Straße komme. Irgendwann schafften wir es wirklich loszufahren. Wir wollten es am ersten Tag bis an einen Kanal nach Belgien Richtung französischer Grenze schaffen. Eine von uns kannte den Stellplatz dort.

Wir brummten durch die Ardennen und nach ein paar kleinen Unzulänglichkeiten unterwegs konnten wir tatsächlich die letzten Plätze ergattern. Glücklicherweise ist Herr Joplin so kompakt, dass ich mich quer dazwischen quetschen konnte. Das Wetter war echt gut und der Stellplatz am Kanal wirklich schön. Wir lernten ein Pärchen kennen, dass im 1er BMW eine Europatour machte und auch darin übernachtete. Ich kam mir vor wie ein Luxusweibchen, denn das hätte ich mir nie vorstellen können. Wochenlang im nicht sonderlich geräumigen 1er BMW zusammen mit meiner Freundin pennen….Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sich irgendjemand darüber freut, sich abends wieder in die Karre zu quetschen und sich Rückenschmerzen zu holen. Aber wie sagt der Rheinländer so treffend…..Jeder Jeck is anders! Was ich noch nicht ahnen konnte, war, dass es nie mehr so einfach werden würde, einen Stellplatz zu finden.

Wir machten uns was Nettes zu essen und genossen das schöne Wetter und den entspannten Abend vor unseren Campern.

Wir wollten weiter an die französische Küste, die zwei wollten sich Calais anschauen, da sie ein paar Wochen später nach Schottland fahren wollten und sie eine Fähre ab Calais gebucht hatten. Ich war schon leicht verwundert, dass sie obwohl wir (bzw. eher sie) ein festes Ziel hatten, am nächsten Tag überhaupt nicht in die Gänge kamen und den kompletten Morgen bis zum Mittag vertrödelten. Mir war es egal, denn ich persönlich hatte ja kein festes Ziel, aber dennoch irritierte es mich ein wenig.

Tatsächlich brachten wir es fertig gegen Mittag abfahrbereit zu sein. Die restliche Strecke war eigentlich gar nicht so weit, aber im Laufe des Tages sollte ich noch feststellen, wie zeitraubend es sein würde, einen Stellplatz zu finden. 

Wir fuhren zu einem Ort ans Meer, stellten uns auf einen Stellplatz (welcher Schande über ihn nicht direkt am Meer lag) und gingen ein bissl herum, um die Küste zu finden. 

Mir gefiel der Stellplatz eigentlich. Es war ein offizieller Platz am Rande des Örtchens, bis zum Meer waren es vielleicht 450 Meter und er war kostenlos. Die Lage war nett, zumindest in meinen Augen, denn meine Mitreisenden waren nicht so begeistert davon. Also stiegen wir in die Wohnmobile und fuhren weiter.

Was das Problem beim nächsten Stellplatz war, weiß ich gar nicht mehr. Für mich hätte er sicherlich auch ausgereicht, aber dennoch fuhren wir weiter. Natürlich wurde es immer später am Tag und ich kriegte so langsam Hunger und Hunger kann die Stimmung bei mir schonmal ein bissl runterziehen. 

Wir fuhren nach und durch Calais zum offiziellen Stellplatz des Ortes, den sie eigentlich vor ihrer Fährüberfahrt am frühen morgen anfahren wollten. ABER Schande dieser Stellplatz sollte doch tatsächlich 10 Euro (oder so) kosten. Wir entleerten erstmal unsere Toiletten, füllten unsere Wassertanks und konferierten dann, was wir tun sollten. Dieser Stellplatz lag weder am Meer, noch war er kostenlos, ABER die Uhrzeit war nun wirklich schon so fortgeschritten, dass wir uns so langsam entscheiden mussten. Bereits an diesem Tag bebte ich innerlich und wusste, dass ich einen längeren Roadtrip in der Gruppe nervlich nicht überstehen würde. Wir entschieden uns tatsächlich hier zu bleiben, fuhren auf den Platz und richteten uns ein. Es war echt nett. Wir aßen etwas, spielten Macke, unterhielten uns …

Der nächste Morgen brach an und ich war tatsächlich wieder der erste auf den Beinen. Ich bin nun wirklich kein Frühaufsteher, aber die Taktik bis fast mittags zu pennen um dann leicht panisch den ganzen Nachmittag damit beschäftigt sein einen Stellplatz zu finden, verstand ich nicht. Wenn ich einen Roadtrip mache, dann habe ich schon immer 2-3 Stellplätze im Auge (bzw der App) und einer von diesen 2-3 Stellplätzen wird es in der Regel dann auch. Für mich ist es keinesfalls Haupturlaubsinhalt Stellplätze anzufahren, sie anzuschauen und dann nach einem Neuen zu gucken. Wenn ich bspw. einen Ort anschauen will, dann fahre ich zum hiesigen Stellplatz und wenn er nicht ganz furchtbar ist, dann komme ich mit den Gegebenheiten klar. 

Nach dem schnellen Frühstück fuhren wir los. Von einem Stellplatz zum nächsten, nur unterbrochen von kurzen Beratungen, ob man den Stellplatz nehmen sollte oder nicht. Ich hielt mich sehr zurück, da ich mich ziemlich beherrschen musste, um nicht sehr deutlich meine Meinung zu sagen. Wenn ich mich richtig erinnere fuhren wir an diesem Tag vier Stellplätze im strömenden Regen an, bevor wir nach dem Einkaufen an den letzten gerieten. Er war direkt oberhalb vom Meer an der Steilküste in Équihen-Plage. Mir gefiel er ganz gut, den anderen eigentlich auch, aber er sollte (ich glaube) 8 Euro kosten, was den Stellplatz im Ranking wieder deutlich nach unten rutschen lies. Ich möchte nun wirklich nicht als Krösus darstehen, aber wenn insgesamt 5 Personen verteilt auf 3 Reisemobile für 24 Euro pro Nacht übernachten können und das auf einem Platz der sonst alle Bedürfnisse perfekt erfüllt, dann finde ich das einfach nicht zu viel. Nach viel hin und her sahen meine Freunde das auch so und wir stellten uns auf den Platz. Es war regnerisch, stürmisch, aber mit dem Platz auf den Klippen hatte es wirklich Stil.

Jeder entspannte sich in seinem Womo und es war wirklich chillig. Draußen war es stürmisch und regnerisch und umso gemütlicher war es in den warmen Fahrzeugen.

Wir erkundeten die Gegend und stellten fest, dass der Stellplatz quasi um eine Kläranlage gebaut war. Durch die Windrichtung war davon aber nichts zu riechen und durch den Heckenwuchs war sie kaum zu sehen. Das Meer war stürmisch aber nordseetypisch schön und wir genossen es unseren Kopf frei gepustet zu bekommen.

Unglaublich aber wahr….wir beschlossen gleich am ersten Tag, noch einen Tag dranzuhängen. Vor lauter Freude darüber erklärte ich mich bereit, am nächsten Tag ein Thai BBQ vorzubereiten. Die Zutaten hatte ich bereits eingekauft, weil ich das nach meiner Rückkehr eh vorhatte. 

Ich war sehr froh, am nächsten Tag nicht wieder auf Stellplatzjagd gehen zu müssen, denn ich merkte doch sehr, dass es mich unheimlich stresste. So sehr wir 3 auch befreundet sind, haben wir doch bei der Stellplatzwahl und der Art den Urlaub zu verbringen komplett unterschiedliche Prioritäten.

Nach der zweiten ruhigen Nacht entschloss ich mich langsam den Heimweg anzutreten. Ich würde mit einem Zwischenstopp heimfahren. Gemütlich und chillig, mit einem Hörspiel auf den Ohren und einem Thermobecher Kaffee in der Hand. Ich hätte auch noch 1-2 Tage länger dabei bleiben können, aber dann hätte ich den Rückweg in einem Rutsch erledigen müssen und man muss sich ja nicht mehr stressen, als unbedingt nötig.

Ich verabschiedete mich nach dem Frühstück von den anderen und vom Meer und gondelte wie geplant Richtung Heimat, der Sonne entgegen. Auf der Fahrt hing ich meinen Gedanken nach. 

Es war häufiger im Gespräch gewesen, dass ich sie mal auf einem ihrer gemeinsamen Roadtrips begleiten würde. Nach diesen paar Tagen war ich mir aber nicht sicher, ob das so eine gute Idee wäre. Tatsächlich würde es wahrscheinlich so enden, dass ich irgendwann sagen würde so in welche Richtung wollt ihr? Ich fahre schonmal los und wenn es passt, dann können wir uns ja da treffen. Diese Jagd nach dem perfekten kostenlosen Stellplatz und dann ende ich doch auf einem Betonplatz hinter dem Supermarkt, kann für mich nicht der befriedigende Hauptinhalt meines Urlaubs sein. Ich bin da vom Grundsatz anders gestrickt. Ich mag bspw. Plätze auf denen Campingverhalten nicht erwünscht ist, nur im Ausnahmefalle. Ich BIN Camper und möchte mich auch vor mein Womo setzen können und ein Bierchen trinken. Außerdem bin ich lieber an einem Platz, an dem ich erwünscht und nicht nur geduldet bin. Das lasse ich mir auch gerne ein paar Euro kosten. 

Vielleicht bin ich auch einfach ein wenig speziell, weil es mir überhaupt nichts ausmacht zwischen Touristencampern zu stehen und weil für mich frei stehen nur eine Notwendigkeit und kein Fetisch oder Religion ist.

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